Klosterneuburger Zeitung: Tierschutz Real - Kommentar von Prof.
Gustaf Adolf Neumann
Wien (OTS) -
Vor wenigen Tagen setzte ich meine Unterschrift statutengemäß unter
eine Einladung der Mitglieder des Verbandes der niederösterreichischen
Tierschutzvereine zur Generalversammlung. Im April 2004 wird auf dieser
Sitzung eine neue Persönlichkeit Vorsitzende(r) des Verbandes.
Bekanntlich
legte ich die Funktion im Besprechungszimmer der Frau
Landeshauptmannstellvertreterin Heidemaria Onodi zur Überraschung der
Anwesenden aus Protest gegen die leeren Erklärungen politisch
verantwortlicher Funktionäre zurück. Die Politiker versprachen mündlich
und schriftlich Zahlungen, die dann nicht vorgenommen wurden, denn sie
kürzten den vorgesehenen Budgetbetrag für die in Niederösterreich
befindlichen 6 Tierschutzhäuser.
Als
dann das neue in Beratung befindliche bundeseinheitliche
Tierschutzgesetz veröffentlicht wurde, das wiederum eine andere
Kompetenz für Zahlungen ohne deren Dotierung vorsieht, war für mich der
Geduldsfaden gerissen.
Ich
erklärte allen politischen und verbandseigenen Personen, dass ich für
die beseelten Wesen im Rahmen meiner Stiftung Tiere-Rechte eintreten
werde. Ich versprach, bis zur Wahl der Nachfolgeschaft, zur Verfügung
zu stehen, jedoch sicher nicht über meine 12 Jahre Funktionszeit hinaus.
Nun
ist es so weit: dem Vernehmen nach gibt es mehrere Kandidaten für die
Wahl, ich werde mithelfen, dass dies mit der Beauftragung der
bestmöglichen Persönlichkeit gelingt.
Es
ist erfreulich, wenn eine große Mehrheit ein bundeseinheitliches
Tierschutzgesetz beschließen wird, welches das bisherige nicht
verschlechtert.
Dass bei
diesem Tierschutzgesetz keine Experten des Tierschutzes
Niederösterreichs mitwirken konnten, weil sie dazu nicht eingeladen
wurden, obschon alle Parteien über den Erfahrungswert der Hilfsdienste
Niederösterreichs mehrfach schriftlich informiert wurden, macht die
Sache nicht schlecht, die Inhalte des Gesetzesentwurf stehen auf dem
Prüfstand.
Ich nehme nicht an,
dass die Aufgabe meiner Privatstiftung Tiere-Rechte eine rasche
Änderung der Gesellschaftsüberlegungen in der Nutztierhaltung erwirken
kann, aber irgendwann wird es den Bemühungen der Philosophie, der Ethik,
der Religionstheologien und der Wirtschaft gelingen, beseelte Wesen
auch dann mit Respekt gegenüberzutreten, wenn das Ziel der Lieferung des
Nahrungsmittels Fleisch realisiert wird.
Nach
meiner Überzeugung ist die Industrialisierung eines derartigen
Anliegens die falsche Richtung, die zur Unmoral, zur Seuche, zur
Katastrophe führt, gleichgültig, ob es hausgemacht, europäisiert oder
globalisiert wird.
Österreich
hat unvorbereitet mit Zweidrittelmehrheit den Weg in die EU gewählt, die
ihre Aufgabenstellung nicht einmal durch ein Minimalstatut geregelt
hat, die dies nunmehr versucht, aber in eine Welt hineinarbeitet, in der
das Maß an Gewalt das Recht bestimmt.
Ich
weiß daher, welche Aufgabe die Neumann-Stiftung Tiere-Rechte angeht,
die Ohnmacht kann noch so bedrückend sein, sie verhindert nicht die
Sprache für Gerechtigkeit, für Friede, für Respekt der Natürlichkeit in
allen Bereichen.
Der Konsum
von Fleisch als Teil der menschlichen Nahrung ist offenbar programmiert,
es fragt sich aber der Mensch schon nach den Ausmaßen und der
Bewältigung der Art und Weise.
Wer
mir auf diesem Wege jetzt und nach mir folgen will, ist herzlich dazu
eingeladen; ich denke an die Jugend, an die alten Weisen der Welt, an
die Stifter von Glaubensbereichen, ich denke aber auch an die
europäischen Gestalter von Tierschutzverfügungen, die allesamt
Fortschritte auf diesem Wege erarbeiten.
Für
die Freunde der Heimtiere, die Charakter haben, sind, nach meiner
Meinung, Tierschutzgesetze nicht das Gelbe vom Ei. Den Politikern rate
ich, dem Beispiel einer einfachen Henne aufmerksam zu folgen: sie legt
beispielsweise ihr programmiertes Ei und nach dem Ausstoß desselben
beginnt sie zu gackern; ich traf kaum einen Politiker, der sich ein
Beispiel an einer einfachen Henne nimmt.
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Prof. G.A.Neumann
Text Prof.Neumann
Tierschutz Real/Klosterneuburger Zeitung
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